[Rückblick] Islamophobie-Tagung am 18.01.2015 an der Universität Hamburg

[Rückblick] Islamophobie-Tagung am 18.01.2015 an der Universität Hamburg

Die Islamophobie ist längst kein Randphänomen mehr und bewegt sich in der Mitte unserer Gesellschaft. Muslime werden pauschalisiert, entfremdet und mit negativen Vorurteilen versehen.
Rassistisches Gedankengut, das unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit in Form einer “Religionskritik” geäußert wird, macht die Islamophobie salonfähig. Antimuslimische Hetzkampagnen der Massenmedien, sowie fehlende Sensibilität seitens politischer und gesellschaftlicher Entscheidungsträger stellen einen fruchtbaren Boden für die Entfaltung und Verbreitung dieses rassistischen Gedankengutes dar. Mehrere Brandanschläge auf Moscheen, Angriffe auf Muslime und rassistisch motivierte Morde sind das Ergebnis einer Epoche von Verharmlosung und Verleumdung des antimuslimischen Rassismus.

Gerade aus diesen Gründen und der geringen Anzahl sachlicher Debatten zum Thema Islamfeindlichkeit, organisierten wir am 18.01.2015 an der Universität Hamburg mit mehr als 800 Teilnehmern eine Tagung zum Thema “Islamophobie”, bei der dieses Phänomen aus geschichtlicher, wissenschaftlicher und medialer Sicht beleuchtet wurde. Politikwissenschaftler Dr. Farid Hafez aus der Universität Salzburg setzte sich mit der wissenschaftlichen und medialen Perspektive der Islamophobie auseinander. Farid Hafez ist u.a. Herausgeber des Jahrbuchs für Islamophobieforschung.

Zunächst betonte Farid Hafez, dass die Islamophobie kein einschichtiges Problem des Rassismus sei, sondern daneben viele Faktoren wie Zivilisation, Religion, Geschichte und Nation eine Rolle spielen. Die Islamophobie kann nur dann verstanden werden, so Hafez, wenn man auf die globale Ebene geht, da es sich um ein globales Phänomen handele.

„Islamophobie werde produziert, um ein Herrschaftsverhältnis aufrecht zu erhalten und auszuweiten, nämlich der immer hoch überlegene Westen gegenüber dem Orient”, der stets mit Rückständigkeit, Aggressivität und Unterdrückung der Frauen in Verbindung gesetzt wird. Als konkretes Beispiel nannte Hafez die Reaktionen unmittelbar nach dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo mit der Debatte, ob der Islam zu Europa passt. Diese Debatte bezeichnete er nämlich als Scheindebatte, welche die eigentliche Debatte über sozioökonomische Probleme in der Gesellschaft verdeckt. Vielmehr müsse man auch eine Debatte über die kriegerischen Auseinandersetzungen Frankreichs im Nahen Osten und Afrika führen, die möglicherweise ein Grund sein könne, für die Entstehung von Extremismus. Dieses Herrschaftsverhältnis werde auch insbesondere durch die überwiegende mediale Darstellung des Islams ausgeweitet. Weiter führte er aus, dass in der Hauptursache von Islamfeindlichkeit ein international politischer Grund liege.

Den Abschluss übernahm Hakki Arslan vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück mit einer geschichtlichen Auseinandersetzung der Islamophobie. Arslan stellte klar, dass Islamfeindlichkeit nicht in den letzten Jahren erst entstand, sondern bereits Jahrhunderte vorher Tendenzen von Islamfeindlichkeit in Europa existierten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Denn schon ab dem 7. Jahrhundert mit der Ausbreitung des Islams durch die Omayyaden seien Angstvorstellungen gegenüber dem Islam als vermeintliche Bedrohung für Europa entstanden. Als eigentlichen Ursprung der Islamfeindlichkeit sieht Arslan insbesondere die Kreuzzüge (1098- 1291) als die Europäer erstmals mit der islamischen Welt in Kontakt kamen und diese als Bedrohung für die christlich-westliche Zivilisation sahen.

 

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